Das Studium zum Diplom Ingenieur
Ingenieure sind wissenschaftlich ausgebildete Fachleute, die auf technischem Gebiet arbeiten. Die Bezeichnung Ingenieur stammt vom lateinischen Wort "ingenium", das "sinnreiche Erfindung" oder "Scharfsinn" bedeutet. Im Italien des Mittelalters wurde der Begriff "ingegnier" nur im Zusammenhang mit dem Beruf des Zeugmeisters oder Kriegsbaumeisters gebraucht. Auch Leonardo da Vinci trug diesen Titel und war somit für den Einsatz militärischer Instrumente (Waffen, Geschütze) ausgebildet. Erst durch den Sprachgebrauch im Frankreich des 17. Jahrhunderts, unter Sebastien le Pestre, dem Festungsbaumeister Ludwigs des XIV., erhielt der Begriff seine heutige Bedeutung "Fachmann auf technischem Gebiet mit theoretischer Ausbildung". 1720 wurde in Frankreich das erste (militärische) Ingenieurkorps gebildet, welches im Straßen- und Brückenbau seine Einsatzgebiete fand. Die erste Ingenieurschule wurde 1736 in Wien gegründet. Seit 1794 ist ein Studium der Ingenieurwissenschaften an der berühmten École polytechnique in Paris möglich.
Seit dem 18. Jahrhundert ist der Begriff Ingenieur auch in Deutschland gebräuchlich. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Ingenieurhochschule und später die Technischen Hochschulen (heute: Technische Universitäten). Auf königlichen Erlass hin wurden 1899 die akademischen Grade (Titel) Diplom Ingenieur (Dipl. Ing.) und Doktor Ingenieur (Dr. Ing.) in Preussen eingeführt. In den Folgejahren wurden diese Titel auch an den vielen anderen Technischen Hochschulen des Deutschen Reiches eingeführt. Die Ingenieurschulen wurden 1970 in Westdeutschland in Fachhochschulen umbenannt. In der DDR erhielten sie die Bezeichnung Ingenieurhochschulen. Nach der Wiedervereinigung wurde die Bezeichnung der ostdeutschen Ingenieurhochschulen in Fachhochschulen geändert.
Den akademischen Grad Diplom Ingenieur kann man mit Abschluss eines fünfjährigen Studiums an einer Technischen Universität durch Anfertigen einer Diplomarbeit erwerben. Absolventen eines Ingenieurstudiums an einer Fachhochschule erwerben den Grad Diplom Ingenieur (FH) nach einem vierjährigen Studium und dem Anfertigen einer Diplomarbeit. In den letzten Jahren haben viele Hochschulen aufgrund des Bologna-Prozesses die Abschlüsse ihrer Ingenieurstudiengänge auf Bachelor und Master umgestellt. Die entsprechenden akademischen Grade sind nun Bachelor of Engineering (B. Eng.) , Bachelor of Science (B. Sc.), Master of Engineering (M. Eng.), Master of Science (M. Sc.).
Klassische Arbeitsfelder von Diplom Ingenieuren sind Bauingenieurwesen / Architektur, Maschinenbau und Elektrotechnik. Ingenieure arbeiten in der Industrie, bei Behörden, in Ämtern oder freischaffend. Ingenieure sind für die Entwicklung und Konstruktion von Bauwerken, Systemen, Produkten, Geräten und neuer technischer Anwendungen verantwortlich. Sie arbeiten auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse z. B. aus der Medizin, z. T. mit Forschern und Naturwissenschaftlern gemeinsam oder im Team mit Kollegen. Grundlage der meisten Planungsprozesse ist die Technische Zeichnung, die heute mit einem CAD-System am Rechner angefertigt wird.